Mühle und Kleinwasserkraftwerk in Šlovice


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GESCHICHTE DER MÜHLE BIS ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS

Die alte Walzenmühle mit zwei Wasserrädern ist in ihrem ursprünglichen Zustand (Abb. 1) nicht mehr erhalten. Sie wurde wiederholt durch Hochwasser betroffen, im Jahre 1911 brannte das Mühlenanwesen aus. Danach blieb nur das untere Stockwerk mit Gewölbe erhalten. Der Bau, der in klassizistischem Stil (Abb. 2) rekonstruiert worden ist, wird von einer Seite von einem Felsen durchdrungen, von der Anderen vom Wasser durchströmt. Derzeit befindet sich hier der bewohnte Teil des Anwesens, im ehemaligen Mahlhaus entstand ein Museum, in dem stillgelegte Maschinen und Informationspaneele zu sehen sind. Rechts neben dem Mahlhaus wurde in den Jahren 1911–1915 das eigentliche Elektrizitätswerk (Abb. 3 und 4) gebaut.

Walzenmühle (Aufnahme von 1906) Abb. 1: Walzenmühle (Aufnahme von 1906) Současný stav Abb. 3: Derzeitiger Zustand
Nach einem Brand rekonstruierte Mühle (Aufnahme von 1911) Abb. 2: Nach einem Brand rekonstruierte Mühle (Aufnahme von 1911) Kanal hinter dem Elektrizitätswerk Abb. 4: Kanal hinter dem Elektrizitätswerk

Erste Erwähnungen von Šlovice stammen aus dem Jahre 1115 als Fürst Vladislav I. den Aufbau des Klosters von Kladruby beendete und Šlovice mit einem Teil des Flusses dem Benediktinerorden schenkte. Ende des 13. Jahrhunderts kam Šlovice im Rahmen der Lehnherrschaft zurück unter die Obhut des Herrschers. Der Historiker Václav Kočka erklärt (23, s. 109): „Die Lehnherrschaft ist folglich eine Ordnung, bei der einer Person (dem König) die Eigenschaft des Herrschers, ihren Vasallen die Erträge zufallen“. In folgenden Jahrhunderten wechselten die Festung und Gut Šlovice häufig ihre Besitzer. Beide wurden wiederholt beliehen und wieder ausgelöst. In den Jahren 1563–1657 vereinigte man Šlovice mit dem Dorf Hřebečníky. Die Festung von Šlovice blieb jedoch verlassen und verkam nach und nach völlig. Das dazugehörige Gut mit Feldern wurde unter die Bauern aufgeteilt.

Die Vergangenheit der Mühle reicht ebenfalls direkt ins 16. Jahrhundert. Die überhaupt erste Eintragung zu dem Werk am Wasser stammt aus dem Jahre 1549. Dort wird das Recht bestätigt, Fischfallen an der Wehr zu benutzen. Die ältesten Erkenntnisse über die eigentliche Mühle stammen aus dem Jahre 1563. Das Recht, Fischfallen zu verwenden, gehört zu den ältesten in Böhmen, es wird fortwährend erneuert. Der Fischfang unterhalb von Šlovice erfolgte bis 1953, im Mühlenarchiv finden sich Eintragungen zur Anzahl der Aale, wie geliefert z.B. an das Restaurant Pelikán in Prag (Straße Na Příkopech) und an das Hotel Zelený strom in Hořovice.

Seit Anfang des 17. Jahrhunderts befinden sich die Mühle und die 300 m flussaufwärts gelegenen Fischerhütte, Schenke (heutzutage das Anwesen U Hornů) sowie eine Fähre im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter, z.B. der von Lobkovic, Černín, Hrobčický und Nostic. Bei Hochwasser gab wiederholt die 203 Klafter lange Wehr nach und die Reparaturen waren so aufwendig, dass die vom Müller gezahlte Pacht nicht ausreichte. Die Obrigkeit dachte daher an eine Aufgabe der Mühle. Weil jedoch damals außer der Mühle in Nezabudice keine andere in der Gegend stand, war die Mühle in Šlovice für den örtlichen Verarbeitungsbedarf an Getreide unverzichtbar. Im Jahre 1780 verkaufte Graf František Nostic die bis dahin der Obrigkeit gehörende Mühle an Ondřej Karásek. Vier Jahre später kam es zu einer Tragödie, die Václav Kočka beschreibt (23, s. 568): „Das Hochwasser am 23. Februar 1784 hat die Mühle abgerissen. Der Müller Ondřej Karásek ist mit dem Gesinde aus dem Fenster auf die Eisschollen gesprungen, sie wurden von den Leuten gerettet. Seine schwangere Ehefrau Kateřina Karásková, unfähig nach draußen zu springen, ist im Fluss umgekommen.“

Auch nachfolgende Müller, eingetragen im Grundbuch beim damaligen Gericht in Křivoklát, hatten sich mit Hochwasser oder im Gegenteil mit Trockenheit auseinander zu setzen. Dennoch blieb die Mühle wegen ihrer Einmaligkeit erhalten. Sie wurde häufig von Wandergesellen besucht, aus diesen Zeiten sind Erzählungen über den Šlovicer Wassermann überliefert. Die Wandergesellen wanderten als Hilfskräfte von Mühle zu Mühle, Nachrichten aus der ganzen Welt bringend. So haben die Bauern beim Anliefern des Getreides zum Mahlen Neuigkeiten aus dem politischen sowie kulturellen Leben in den Mühlen erfahren. Die Müller waren infolge ihres großen Überblickes geschätzte Bürger.


Dieser Artikel wurde gedruckt von der Internetseite der Mühle und des Kleinwasserkraftwerkes in Šlovice:
http://www.elektroskanzen-slovice.cz. Text © David Kozler, 2008–2010, Übersetzung © Dr.-Ing. Jan Mainzer, 2010