Mühle und Kleinwasserkraftwerk in Šlovice


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DIE LEGENDE ÜBER DEN ŠLOVICER WASSERMANN

Mit dem Müllerhandwerk sind zahllose Aberglauben, Sprichwörter und Legenden verbunden. Auch zur Šlovicer Mühle blieb eine Legende aus längst vergangenen Zeiten erhalten.


Illustration zu der Legende

Auch der Šlovicer Müller plagte sich sehr mit einem Wassermann. Häufig geschah es, und das ausgerechnet dann, wenn in der Mühle die meiste Arbeit anstand, dass das grüne Männchen das Wasser anhielt und die Mühle stehen blieb. Ein anderes Mal hat es das Stauwerk blockiert, so dass es vom Niemanden mehr bewegt werden konnte, oder es hat die Netze verheddert. In der Nacht hat es überall eine Menge Wasser verspritzt, die Möbel umgestoßen, das Getreide herumgeworfen und verursachte auch weitere Schäden. Das Müllergesinde und die Mahlgäste fingen an, die Šlovicer Mühle zu meiden, so dass der Müller bald in Schwierigkeiten geriet. Er hat allerhand versucht, um den Wassermann aus der Mühle zu vertreiben, es war jedoch umsonst.

Einmal kam am Vorabend ein Wanderbursche in die Mühle und bat um Übernachtung. Der Müller war nicht dagegen, hat ihn aber darauf aufmerksam gemacht, welche Umtriebe der Wassermann in der Nacht veranstaltet. Und dass es sicherer wäre, in einer Kate im Dorf zu übernachten. Der Wanderbursche lächelte und sagte, dass er nicht ängstlich sei. Der Müller hat nur mit den Schultern gezuckt und meinte, dass er dann in der Gesindestube übernachten könne. Der Wandersmann hat zu Abend gegessen, hat sich an den Tisch gesetzt und sich in einen alten Kalenders vertieft. Dann sah er eine an der Wand hängende Geige. Weil er ein guter Musikant war, hat er das Instrument vorsichtig herunter genommen, es gestimmt und fing zu spielen an. Eine zärtliche, herzbewegende Melodie erfüllte den Raum. Auf einmal jedoch erschallte im Mahlhaus ein ohrenbetäubendes Gepolter. Der Wanderbursche jedoch hat den Lärm nicht beachtet und spielte weiter. Nach einer Weile hörte der Krawall auf. Die Tür der Gesindestube öffnete sich und der Wassermann trat leise ein. Auf dem Kopf trug er einen grünen Hut, von seinem Mäntelchen tropfte Wasser auf den Boden herunter. Der Wanderbursche spielte jedoch weiter und beachtete den Eindringling gar nicht. Da trat der Wassermann näher an ihn heran und sagte: „Bringe mir doch das Geigenspielen auch bei!“ „Warum nicht,“ antwortete der Wandersmann und fing gleich mit dem Unterricht an. Er hat dem Wassermann die Geige hinüber gereicht und dieser legte los. Die Geige quietschte, dass es in den Ohren kribbelte. „So wird es nichts werden,“ sagte der Wanderbursche. „Du hast krumme Finger. Wenn du so spielen möchtest wie ich, muss ich deine Finger begradigen. Es wird aber ein wenig schmerzen.“ Der Wassermann war einverstanden.

Der Wanderbursche bohrte durch die Tischplatte hindurch zehn Löcher und bat den Wassermann, seine Finger durchzustecken. Von unten hat er die Finger so befestigt, dass sie der Wassermann gar nicht bewegen konnte. „So, und jetzt fange ich an, deine Finger gerade zu ziehen!“ Er schnallte seinen Gürtel ab und fing an, den Wassermann tüchtig zu prügeln. Das grüne Männchen warf sich hin und her, schrie, drohte, aber es hat ihm nichts genützt. Der Wanderbursche prügelte und prügelte. „Hör endlich auf!“ hat der Wassermann zu bitten angefangen. „Ich höre nicht auf solange du nicht versprichst, dass du augenblicklich aus der Mühle verschwindest und dich nie wieder hier blicken lässt!“ Was blieb dem Wassermann übrig. Sein Rockschoss trocknete langsam aus und seine Kräfte verließen ihn rasch. „Ich verspreche es, lass mich doch endlich los!“ Kaum hat ihn der Wanderbursche frei gelassen, hat ihm der Wassermann mit seinem geschwollenen Finger zugedroht, rannte aus der Mühle heraus und verschwand aus Šlovice für immer. Um sicher zu gehen, übernachtete der Wanderbursche hier noch ein paar mal und als er sah, dass der Wassermann sein Versprechen hielt, bedankte er sich beim dankbaren Müller für Obdach und brach zu weiteren Wegen auf.


Der tschechische Text der Legende wurde aus dem Buch „Kniha pověstí z Rakovnicka, Novostrašecka, Křivoklátska, Poddžbánska, Jesenicka a Čistecka“ (19) mit freundlichem Einverständnis seines Autors, PhDr. Tomáš Bednařík, übernommen.
Die Autorin der Illustration aus dem gleichen Buch ist Lucie Auerswaldová-Babáková.


Tento článek byl vytištěn z internetových stránek mlýna a malé vodní elektrárny ve Šlovicích, http://www.elektroskanzen-slovice.cz.
© David Kozler, 2008–2010